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Dem Landnámabók nach wurde Reykjavík von
Ingólfur Arnarson, einem der ersten Siedler Islands, gegründet.
Wie bei den Wikingern üblich, hatte er sich da niedergelassen, wo
die ins Meer geworfenen Stützen seines Hochsitzes angeschwemmt
worden waren. Archäologische Ausgrabungen haben inzwischen
bewiesen, dass sich im 9. Jahrhundert – erste Spuren verweisen auf
das Jahr 870 – Wikinger aus Norwegen und keltische Immigranten in
dieser Gegend ansiedelten. Bis ins 18. Jahrhundert bestand der Ort
nur aus einigen Höfen und war von geringer Bedeutung.
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18. Jahrhundert[Bearbeiten
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Der heute als „Vater der Stadt“ geltende
Skúli Magnússon, der ab 1749 als Landvogt mit Sitz in Bessastaðir
wirkte, zeichnet für den Aufschwung des Ortes verantwortlich. Er
sorgte für die Ansiedlung erster Industriebetriebe (hauptsächlich
Wollverarbeitung), sehr zum Verdruss der dänischen Monopolisten.
Lockerungen der restriktiven Handels- und Industriepolitik der
Dänen gab es erst nach der Laki-Katastrophe von 1783. Es siedelten
sich zunächst vor allem fischverarbeitende Betriebe und Werften
an. 1786 wurde dem inzwischen rund 200 Einwohner zählenden Ort das
Stadtrecht verliehen. Aus der Bezeichnung Kaupstaður geht hervor,
dass das Schwergewicht auf dem Handel lag. Folgerichtig war die
Stadt einer der sechs Orte, die nach der teilweisen Aufhebung des
dänischen Handelsmonopols im selben Jahr besondere Handelsrechte
erhielten. Die zunehmende Bedeutung der Stadt geht allerdings auch
aus anderen Fakten hervor: Ende des 18. Jahrhunderts wurden der
Bischofssitz und die bedeutende Lateinschule von Skálholt nach
Reykjavík verlegt.
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19. Jahrhundert[Bearbeiten
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Reisende Isländer brachten in der ersten
Hälfte des Jahrhunderts die in Festlandseuropa zu dieser Zeit sehr
verbreiteten Ideen der nationalen Identität und Unabhängigkeit mit
nach Island, die dort schnell Fuß fassten. Reykjavík wurde zum
intellektuellen Zentrum des Landes, und so verband sich der
Aufstieg Islands als unabhängige Nation mit dem Aufstieg der
Stadt. 1845 übersiedelte das Parlament, das Althing, nach
Reykjavík. Allerdings hatte es zu der Zeit noch keinerlei
wirkliche politische Macht, sondern nur beratende Funktion
gegenüber dem dänischen Thron. Trotzdem galt von nun an Reykjavík
als Hauptstadt des Landes. Erst 1874 erhielt das Alþingi begrenzte
legislative Rechte. Das Land hatte nun zwar eine eigene
Verfassung, war aber nach wie vor von Dänemark abhängig.
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20. Jahrhundert
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Schritt für Schritt konnte sich Island bis
zur Mitte des 20. Jahrhunderts als eigenständige Nation
etablieren: Im Jahre 1904 wurde ein Großteil der Exekutive unter
einem Minister für Island nach Reykjavík transferiert. Am 1.
Dezember 1918 wurde Island zum Königreich erklärt, das aber immer
noch der dänischen Krone unterstand. Reykjavík galt nun offiziell
als Hauptstadt des Landes. Auch die Einwohnerzahl hatte inzwischen
entsprechend zugenommen. 1912 wurde der Bau eines neuen Hafens
beschlossen. Dieser wurde 2002 als herausragendste isländische
Ingenieurleistung des Jahrzehnts 1911–1920 ausgezeichnet. Im Zuge
des Baus des Hafens wurde 1913 die Schmalspur-Hafenbahn Reykjavík
eingerichtet.
In den 1920er und 1930er Jahren
prosperierte die Stadt zunächst aufgrund der profitablen
Produktion von Stockfisch und des Fischexports allgemein. Später
litt allerdings auch sie unter der wirtschaftlichen Depression.
Der Aufschwung kam mit dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung
zunächst durch die Briten, dann durch die US-Amerikaner. Dennoch
erklärte sich Island offiziell als neutral. Die Amerikaner halfen,
den großen Zivilflughafen in Keflavík zu bauen, und erhielten im
Gegenzug das Recht, in der Nähe dauerhaft Truppen zu stationieren.
Außerdem schufen sie viele Arbeitsplätze. Dies löste die bis heute
anhaltende Landflucht und einen massiven Zuzug in die
Hauptstadtregion aus.
Am 17. Juni 1944 wurde in Þingvellir die
Republik Island ausgerufen. Reykjavík wurde die Hauptstadt des
jetzt unabhängigen Landes. Der Sitz des isländischen
Premierministers befindet sich hier, der des Präsidenten, der
ähnlich wie in Deutschland nur eine repräsentative Funktion hat,
in Bessastaðir in der Reykjavíker Vorortgemeinde Álftanes. Dieses
Amt wurde von 1980 bis 1996 erstmals von einer Frau, Vigdís
Finnbogadóttir, ausgeübt. Ab den 1950er Jahren verbesserten sich
die Lebensbedingungen rasant. Der Zuzug hielt unvermindert an,
während sich immer mehr Industriebetriebe in Reykjavík
niederließen und andererseits auf dem Lande aufgrund verbesserter
Agrartechnik der Bedarf an Arbeitskräften sank.
1972 fand in Reykjavík die als Match des
Jahrhunderts bezeichnete Schachweltmeisterschaft zwischen dem
US-amerikanischen Herausforderer Bobby Fischer und dem
sowjetischen Titelhalter Boris Spasski statt. Noch einmal stand
Reykjavík im Interesse der Weltpolitik, als sich vom 10. bis 12.
Oktober 1986 Ronald Reagan und Michail Gorbatschow im Gästehaus
Höfði zu einem Gipfeltreffen einfanden. Außerdem spielt die Stadt
seit den 1990er Jahren auf dem Techniksektor eine bedeutende
Rolle.
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21. Jahrhundert
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Reykjavík galt bis zum Beginn der
Wirtschaftskrise im Herbst 2008 als eine aufstrebende und auch im
künstlerischen Bereich weiterhin aufblühende Stadt mit einer sehr
lebendigen Kunst- und Musikszene. Machten sich zu Beginn und in
der Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem Schriftsteller und
bildende Künstler wie Einar Jónsson und Ásmundur Sveinsson
international einen Namen, so sind es heutzutage die Popmusikerin
Björk oder die Mitglieder der Band Sigur Rós, die weltweit bekannt
wurden.
Neben der erwähnten Wirtschaftskrise gab
es in Island eine Banken- und Finanzkrise. Alle drei großen
Geschäftsbanken brachen zusammen, als sie Schwierigkeiten bei der
Refinanzierung ihrer kurzfristigen Schulden bekamen. Ihr
Geschäftsmodell war offenbar zu riskant bzw. nicht tragfähig. Im
Verhältnis zur Größe seiner Wirtschaft ist Islands
Banken-Zusammenbruch der größte in der Wirtschaftsgeschichte. Die
Isländische Krone (die Währung Islands) verlor erheblich an Wert
(=> Importe teurer; Exporte werden angekurbelt),
Devisentransaktionen wurden praktisch für Wochen unterbrochen.
Damit fand auch ein zeitweiliger Bauboom ein jähes Ende. Reykjavík wurde am 2. August 2011 zur 29.
UNESCO-Literaturstadt ernannt
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